Pädiatrische Beckenbodenphysiotherapie
Die pädiatrische Beckenbodenphysiotherapie unterstützt Kinder dabei, eine gesunde Beckenbodenfunktion zu entwickeln und häufige Probleme altersgerecht und sanft zu behandeln. Der Beckenboden ist nicht nur wichtig für Blasen- und Darmkontrolle, sondern trägt auch zu guter Haltung, Bewegung und allgemeinem Wohlbefinden bei.
Warum ist das wichtig?
Manche Kinder leiden unter Bettnässen, Tagennässen, Verstopfung oder Beschwerden im Beckenbereich. Mit gezielter Unterstützung in einem frühen Stadium lassen sich diese Probleme effektiv behandeln, sodass Kinder selbstbewusster und wohler im Alltag sind.
Kinderspezifische Beckendysfunktionen
Bettnässen, auch als nächtliche Enuresis bekannt, liegt vor, wenn sich die Blase bei einem Kind über 5 Jahren während des Schlafs unwillkürlich entleert. Es tritt bei etwa jedem fünften Kind auf, und im Alter von 6 bis 7 Jahren hat jedes zehnte Kind nächtliche Unfälle. Es wird nicht durch Faulheit oder aufmerksamkeitssuchendes Verhalten verursacht und ist oft ein komplexes Problem, das sowohl für das Kind als auch für die Familie belastend sein kann.
Was verursacht Bettnässen?
Es gibt vier Hauptursachen für Bettnässen:
Schwierigkeiten, bei voller Blase aufzuwachen
Überaktivität der Blase in der Nacht
Erhöhte Urinproduktion in der Nacht
Verstopfung
Bettnässen wird nicht verursacht durch:
Unreife
Faulheit
Schlechtes Benehmen oder Rebellion
Trinken nach dem Abendessen
Wann sollten wir Hilfe suchen?
Es wird empfohlen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn:
Das Bettnässen Ihr Kind belastet oder sein emotionales Wohlbefinden beeinträchtigt
Ihr Kind den Wunsch äußert, nachts trocken zu bleiben
Ihr Kind zuvor trocken war und nun wieder ins Bett macht
Ihr Kind im Alter von 7–8 Jahren noch nicht trocken ist, da sich das Problem möglicherweise nicht von selbst löst.
Funktionale Verstopfung bei Kindern oder Jugendlichen kommt häufiger vor, als man denkt, und betrifft irgendwann einmal 25 % aller Kinder. Wenn Ihr Kind anhaltende Bauchschmerzen und Schwierigkeiten beim Stuhlgang hat, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es an dieser Erkrankung leidet. Die gute Nachricht ist, dass nach einer Diagnose Behandlungsmöglichkeiten für Verstopfung bei Kindern zur Verfügung stehen.
Was sind die wichtigsten Symptome einer Verstopfung?
Häufige Anzeichen für Verstopfung bei Kindern sind:
Harter oder schmerzhafter Stuhlgang
Kleine, seltene Stuhlgänge
Pressen auf der Toilette
Bauchschmerzen oder -beschwerden
Blähungen
Einkotzen oder häufige Stuhlunfälle
Vermehrtes Wasserlassen
Häufige Harnwegsinfekte
Harnunfälle tagsüber
Rückschritte bei der Toilettenerziehung
Verzögerte Toilettenerziehung
Was kann Verstopfung bei Kindern verursachen?
Verstopfung bei Kindern kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter:
Toilettentraining
Veränderungen im Tagesablauf (z. B. Krankheit oder Urlaub)
Stresssituationen (z. B. Schulbeginn oder Veränderungen in der Familie)
Geringe Ballaststoffzufuhr
Unzureichende Flüssigkeitszufuhr
Nebenwirkungen bestimmter Medikamente
Anhaltende Darmerkrankungen, die einer weiteren Abklärung bedürfen
Manche Kinder halten den Stuhlgang bewusst oder unbewusst zurück. Dies kann passieren, wenn:
Toiletten nicht leicht zugänglich sind
Ein früherer schmerzhafter Stuhlgang Angst ausgelöst hat
Das Kind mit Spielen beschäftigt ist und den Drang, auf die Toilette zu gehen, ignoriert
Mit der Zeit kann dieses Zurückhalten zu chronischer Verstopfung führen.
Kinder sind in der Regel im Alter von etwa dreieinhalb Jahren tagsüber trocken. Jedes Kind entwickelt sich jedoch in seinem eigenen Tempo. Es gibt viele Gründe, warum ein Kind tagsüber Unfälle haben kann, und es ist wichtig, diese gemeinsam zu erörtern, um einen wirksamen, individuellen Behandlungsplan zu erstellen.
Wenn ein Kind tagsüber Unfälle hat, liegt das nicht an schlechtem Benehmen.
Meistens liegt es daran, dass die Blase nicht so funktioniert, wie sie sollte.
Die Ermittlung der zugrunde liegenden Ursache ist unerlässlich, damit eine geeignete Strategie zur Umschulung der Blase umgesetzt werden kann. Da oft ein enger Zusammenhang zwischen Blasen- und Darmfunktion besteht, werden auch die Stuhlgewohnheiten sorgfältig untersucht, um festzustellen, ob sie das Blasenverhalten beeinflussen.
Was verursacht Bettnässen am Tag?
Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die zu Bettnässen am Tag führen können. Dazu gehören:
- Überaktive Blase
Kinder mit einer überaktiven Blase müssen häufiger als normal auf die Toilette. In der Regel sollte ein Kind 4–7 Mal am Tag auf die Toilette gehen. Häufigere Toilettengänge könnten auf Probleme mit der Blasenkapazität hindeuten, was zu mehr Urinausscheidung als normal führt.
- Faule Blase (lazy bladder)
Ein Kind mit einer unteraktiven Blase geht nicht so oft auf die Toilette, wie es sollte, nämlich dreimal am Tag oder weniger. Dies kann dazu führen, dass sich die Blase überfüllt, oder zu Problemen wie einer Harnwegsinfektion oder Nierenentzündung führen, die das Harnsystem belasten und unwillkürlichen Urinabgang verursachen.
- Schlechte Toilettengewohnheiten
Auch die Toilettengewohnheiten Ihres Kindes könnten zu Problemen mit dem Bettnässen am Tag beitragen. Manchmal haben Kinder Schwierigkeiten beim Toilettentraining und sind nicht in der Lage, die natürlichen Signale ihres Körpers zu erkennen, die auf den Toilettengang hinweisen. Das Aufschieben des Toilettengangs kann zu Unfällen führen, bei denen Urin austritt oder das Kind nicht rechtzeitig die Toilette erreicht. Manche Kinder haben zudem Schwierigkeiten, die Blase vollständig zu entleeren, was ebenfalls zu einer erhöhten Anzahl von Unfällen führen kann, selbst nachdem sie bereits auf der Toilette waren.
- Giggle-Inkontinez
Bei dieser Inkontinenzform verlieren die Kinder ausschließlich beim Lachen Urin. Beim Hüpfen und Springen haben die Kinder keinerlei Probleme. Jedoch ist ihr Leidensdruck häufig sehr groß.
- Belastungsinkontinez
Beim Hüpfen, Springen oder sonstiger Belastung auf den Beckenboden verlieren die Kinder Urin. Dies kann verschiedene Ursachen haben, beispielsweise ein verspannter Beckenboden, der nicht koordiniert ist oder eine zu geringe Spannung im Beckenboden und zu wenig Anspannung bei Belastung.
- Andere medizinische Probleme
Die Probleme Ihres Kindes mit dem Bettnässen am Tag können auch ein Symptom für ein größeres medizinisches Problem sein. Dies ist am häufigsten der Fall, wenn Ihr Kind an sekundärer diurnaler Enuresis leidet, einer Form des Bettnässens am Tag, die auftritt, nachdem Ihr Kind scheinbar bereits die Kontrolle über seine Blase hatte.
Wenn Ihr bereits trockenes Kind plötzlich die Kontrolle über seine Blase verloren hat, könnte dies auf eine Erkrankung zurückzuführen sein, die die Blasenkontrolle beeinträchtigt. Dies kann alles Mögliche sein, von Diabetes über Anomalien der Harnwege bis hin zu einem psychologischen Problem.
In diesen Fällen ist die medizinische Aufklärung entscheidend.
Schmerzen beim Toilettengang bei Kindern
Kinder jeden Alters können manchmal Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang haben. Das kann sowohl für Kinder als auch für Eltern beunruhigend sein und ein Anzeichen dafür sein, dass etwas nicht ganz in Ordnung ist. Vielen Kindern ist es peinlich oder sie wissen nicht, wie sie über diese Symptome sprechen sollen, sodass sie Ihnen möglicherweise nicht immer sagen, was sie stört.
Anzeichen, auf die Sie achten sollten
Möglicherweise bemerken Sie, dass Ihr Kind:
- den Gang zur Toilette vermeidet
- über Schmerzen oder Unwohlsein beim Toilettengang klagt
- Bauchschmerzen oder Blähungen hat
- tagsüber oder nachts häufiger Unfälle hat
- gereizt wirkt oder weniger Appetit hat
Häufige Ursachen
Schmerzen beim Toilettengang können mit folgenden Ursachen zusammenhängen:
Verstopfung, die den Stuhlgang erschweren oder schmerzhaft machen kann
Harnwegsinfektionen (UTIs), die Brennen, Schmerzen oder häufiges Wasserlassen verursachen
Hautirritationen oder kleine Risse, insbesondere bei hartem Stuhl
Hauterkrankungen oder leichte Infektionen, wie Vulvovaginitis oder Reizungen der Vorhaut
Warum frühzeitige Unterstützung wichtig ist
Wenn Schmerzen unbehandelt bleiben, können Kinder Angst vor dem Toilettengang entwickeln, was die Symptome mit der Zeit verschlimmern kann. Eine ruhige, unterstützende Herangehensweise und frühzeitige professionelle Beratung können helfen, diese Probleme zu lösen, Beschwerden zu lindern und das Selbstvertrauen Ihres Kindes wiederherzustellen.
Manche Kinder leiden unter Schmerzen im Beckenbereich, die sich als dumpfer Schmerz, Krämpfe oder als stechende, plötzliche Schmerzen äußern können. In unserer Praxis behandeln wir gelegentlich Kinder – insbesondere Mädchen im Alter von bereits sechs Jahren –, die unter stechenden Schmerzen im Scheiden- oder Enddarmbereich, Beckenkrämpfen oder anhaltenden Schmerzen leiden.
Diese Symptome treten besonders häufig bei jungen Tänzerinnen und Turnerinnen auf und stehen oft im Zusammenhang mit Verspannungen der Beckenbodenmuskulatur, verspannten Bauchmuskeln oder allgemeinen Muskel- und Bewegungsungleichgewichten.
Warum es wichtig ist, Hilfe in Anspruch zu nehmen
Beckenschmerzen sollten immer gründlich untersucht werden, da eine frühzeitige Behandlung dazu beitragen kann, zu verhindern, dass die Symptome chronisch werden. Ein spezialisierter Physiotherapeut kann sorgfältig beurteilen, was zu den Schmerzen beiträgt, und sanfte, altersgerechte Strategien vermitteln, um die Symptome zu bewältigen und zu lindern.
Die Behandlung kann Folgendes umfassen:
- Aufklärung und Beruhigung
- sanfte manuelle Therapie
- Ratschläge zu Haltung, Bewegung und Alltagsgewohnheiten
- bei Bedarf einfache Empfehlungen zu Lebensstil oder Ernährung
Bei Kindern werden niemals interne Beckenuntersuchungen durchgeführt. Gegebenenfalls kann Echtzeit-Ultraschall als kindgerechtes Hilfsmittel eingesetzt werden, um das Bewusstsein für die Beckenbodenmuskulatur und das Biofeedback zu fördern.